Geschichte

„Die Kaffeemühle“   -   ein Kleinod im Weidenhainer Wäldchen

Von Klaus-Dieter Radick

 

Philippsthal.

Der Ort Philippsthal wurde im Jahre 1191 in einem Schutzbrief des Papstes Coelestin III. an die Abteil Hersfeld das erste Mal urkundliche erwähnt. Die Abtei gründete in diesem Jahr ein Benediktinerinnenkloster und benannte es nach dem hier lebenden Rittergeschlecht derer „von Cruceberg“. Nach diesen wurde dann auch die sich entwickelnde Ortschaft „Kreuzberg“ genannt.

Das Kloster wurde im Bauernkrieg 1525 zerstört und 1568 von den Nonnen aufgegeben. An der Stelle, an der das Kloster stand, ließ sich Landgraf Philipp von Hessen-Philippsthal im Jahre 1685 ein Schloß erbauen, dem er den Namen Philippsthal gab.

Zum Schloß gehörte auch der Landschaftspark „Weidenhain“ auf dem Hochufer der Werra, der sich bis 300 m westlich der Vachaer Werrabrücke (heute: Brücke der Einheit) erstreckte. Landgraf Ernst Konstantin begründete diesen prächtigen Bergpark mit seinen unzähligen Sandsteinterrassen, wo er sich auch im Weinanbau versucht haben soll. Wenn man heute diese Terrassen und Verbindungswege auch noch gut erkennen kann, so ist doch von der einstigen Pracht nicht mehr viel geblieben. Der Wildwuchs der Bäume, die bis in die heutige Zeit zu Hochstämmen herangewachsen sind, verdeckt das gesamte Areal und lässt die einstige Schönheit nur noch erahnen.

Dem edlen Gründer Weidenhain´s wurde am Fuße der Anhöhe am 08. August 1842 von seinen Verehrern eine Gedenktafel gesetzt, die bis heute an ihrem Standort erhalten werden konnte. Der Legende nach soll es vom Schloß Philippsthal zum Bergpark Weidenhain einen unterirdischen Verbindungsgang gegeben haben. Dies ist jedoch nicht belegt, obwohl eine Felsöffnung im Bergpark einen Zugang vermuten lässt.

Den oberen Abschluss des Bergparks bildete damals ein kleines, aus Sandstein gemauertes Gebäude, das in Verbindung mit der Parkanlage im frühen 19. Jahrhundert eine bekannte Sehenswürdigkeit des Ortes darstellte. Bekannt ist, dass in Verbindung mit dem Weidenhainer Felsenkeller schon damals eine kleine Schankwirtschaft betrieben wurde.

Wenn man sich den heutigen Baumbestand wegdenkt, muss man zur damaligen Zeit von diesem Ort aus einen herrlichen Ausblick nach Thüringen und ins Werratal gehabt haben.

Die Namensgebung „Kaffemühle“ ist nicht historisch belegt und lässt daher vielen Vermutungen freien Lauf. Die Bezeichnung hat sich aber in den vergangenen 170 Jahren als Eigenname des Gebäudes eingeprägt und ist jedem Einheimischen ein Begriff. Leider wurde die „Kaffeemühle“ in den Kriegswirren bis auf die Grundmauern zerstört.

Freunde der Heimat  -  ein Verein sucht und findet seine Bestimmung

Im Jahr 1973 reifte in den Köpfen einiger junger Männer aus Philippsthal der Wunsch, durch einen Verein mit satzungsmäßiger Bestimmung, das Gemeinschaftsleben in Philippsthal wieder mehr zu beleben.

In einer Gründungsversammlung am 23.11.1973 im „Cafe Zollhaus“, fanden sich 15 Interessenten (ausschließlich ehemalige Kirmesburschen) zusammen um die Ziele des zukünftigen Vereines festzulegen, eine Satzung zu erarbeiten und sich einen Vereinsnamen zu geben.

Unter dem Motto der Kameradschaft, Treue zum Verein, Verbundenheit zur Heimat und der Wille zur gemeinschaftlichen Arbeit zum Wohle der Allgemeinheit führte der Vorschlag vom Inhaber des Vereinslokals, Gerhard Rübsam, zum Vereinsnamen

Freunde der Heimat.

In den Folgejahren wurden neben zahlreichen Kirmesveranstaltungen auch Konzertveranstaltungen und Tourneen wie „Lieder die von Herzen kommen“ und „Musik ist Trumpf“ mit namhaften Künstlern von Funk und Fernsehen durchgeführt. Mit dem Neubau der Kreuzberghalle und der Gründung des „Kulturweckers“ traten diese Aktivitäten jedoch in den Hintergrund.

In 1975 wurden von einem bis heute unbekannten Verfasser dem Verein verschiedene Vorschläge zur Verschönerung des Ortes unterbreitet. Hierzu gehörte auch der Hinweis auf die Ruine der Kaffeemühle. Bei einer Ortsbegehung am 16. Februar 1975 wurde dann das Grundstück in Augenschein genommen und nach intensiver Suche zwischen Wildwuchs, Hecken und Gestrüpp auch die Grundmauern der zerstörten Ruine gefunden.

Noch im selben Jahr nahm man mit dem damaligen Bürgermeister Jakob Prior Verbindung auf, um abzuklären, ob die Kommune einen Wiederaufbau der Ruine erlauben und auch unterstützen würde. Prior´s Begeisterung für dieses Vorhaben sprang auch auf die gemeindlichen Beschlussgremien über und dem Verein wurde der Wiederaufbau genehmigt.

Bereits im Sommer 1975 wurde mit den ersten Arbeiten begonnen und das gesamte Gelände von Gestrüpp befreit um überhaupt erst einmal einen Zugang zur Ruine zu bekommen. Nach und nach wurde durch fleißige Hände mit den umherliegenden Sandsteinen das Gebäude wieder in seinen Originalzustand versetzt und mit einem Spitzdach versehen. Im August 1977 war dann das Richtfest und am 24. September 1977 erfolgte die feierliche Einweihung der wiedererstandenen „Kaffeemühle“ unter großer Beteiligung der Philippsthaler Bürgerinnen und Bürger.

Für den Verein war dies der Beginn, sich auch um das Gelände unterhalb des Siechenberges und des Weidenhainer Wäldchens zu kümmern. In den Folgejahren wurden die Wege wieder begehbar gemacht, die in Serpentinen zur Werra abfallen. Gleichzeitig konnte mit der Gemeinde ein Pacht- und Gestattungsvertrag abgeschlossen werden, der dem Verein die Nutzung des Geländes und Gebäudes als Vereinsdomizil erlaubte.

Die in der Zwischenzeit zahlreich ausgeführten An- und Umbauten sorgen heute zu jeder Jahreszeit für ein besonderes Ambiente. Eine Grillhütte, saubere, geflieste Toiletten mit Wasserspülung und ein geräumiges Vereinshaus mit Küchenzeile sowie einer Theke mit Zapfanlage und ausreichenden Sitzmöglichkeiten laden stets zum Verweilen ein. Ein in 1987 errichteter Kinderspielplatz rundet das Ensemble ab.

Die Besucher, die mittlerweile zum Osterfeuer, an Himmelfahrt oder zum Lampionfest vom Verein bewirtet werden, sind stets fasziniert vom besonderen Flair der Anlage, die auch gerne für private Feierlichkeiten genutzt wird. Durch eine Baumpflanzaktion mit 400 Sprößlingen am 24.11.1984 hat sich die Anlage bis heute in eine funktional ausgestattete Freizeitanlage zur Erholung für Jung und Alt entwickelt.

Rund 7.000 ehrenamtliche Arbeitsstunden für die Herrichtung, Pflege und Instandhaltung haben sich ausgezahlt. Die immerwährende gegenseitige Motivation als stärkstes Element der Vereinsarbeit hat in der nunmehr über 40-jährigen Vereinsgeschichte reiche Früchte getragen.

Die jährlich wiederkehrenden Veranstaltungen sind ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens in Philippsthal und Umgebung und sorgen dafür, dass die Kaffeemühle sich größter Beliebtheit erfreut. Die Erlöse der Veranstaltungen fließen ausnahmslos in die Unterhaltung der Anlagen.

Aktion Weihnachtsbaum

Schon 40mal wurden vom Verein zu Beginn eines jeden Jahres die ausgedienten Weihnachtsbäume im Ort eingesammelt und durch eine genehmigte Verbrennung entsorgt. Rund 20.000,00 € sind in all den Jahren als „freiwillige Entsorgungsgebühren“ gespendet worden, die ausnahmslos gemeinnützigen Zwecken zu Verfügung gestellt wurden. Hiervon partizipieren konnten bisher: Kindertagestätte Unterhaun, Aktion Sorgenkind, Behindertenwerkstätte Bebra, DRK Philippsthal, Kinder aus Tschernobyl, die örtlichen Kindergärten und Seniorenheime sowie die Behindertengruppe der Arbeiterwohlfahrt.

Ein historischer Tag im Vereinsleben war der 06.01.1990. Erstmals wurden gleichzeitig in Vacha, Unterbreizbach und Philippsthal die ausgedienten Weihnachtsbäume eingesammelt und in jedem Ort ein Mahnfeuer entfacht, um für eine Grenzöffnung in Unterbreizbach zu demonstrieren. Die Öffnung dieser GÜST wurde von den DDR-Behörden bislang verhindert. Hierzu hatten sich zahlreiche Bürger eingefunden, um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen. Der Erfolg dieser Spendenaktion war überwältigend. Kamen in Vacha und Unterbreizbach 600 DM zusammen, so wurde in Philippsthal mit 1.100 DM ein noch nie dagewesenes Ergebnis erzielt.

Dies veranlasste den Verein gemeinsam mit der AG Stadtgeschichte Vacha am 19. Mai 1990 das 1. Deutsch / Deutsche Kinderfest an der Kaffeemühle zu veranstalten. Auch die Mahnfeuer verfehlten ihre Wirkung nicht – die Grenze bei Unterbreizbach wurde als bald geöffnet.

Lampionfest

Um die Attraktivität der Veranstaltungen zu erhöhen und eine noch größere Akzeptanz zu erreichen hat sich der Verein „Freunde der Heimat“ zum Lampionfest 2016 ein neues Konzept überlegt.

Das Fest steigt in diesem Jahr als 90er-Jahreparty – Eintritt frei !!!

Am Samstag, 06. August 2016, geht´s um 19.00 Uhr los. Bis 22.00 Uhr können Wunschhits-Zettel ausgefüllt und beim DJ abgegeben werden. Der Lieblingstitel kann aber auch schon vorher über Facebook gepostet werden und unter allen Teilnehmern werden tolle Preise verlost. Ab 22.00 Uhr bis „open end“ gibt´s eine 90er Neon-Discoparty mit den besten Hits der 90er in the mix und Special-Neon-Deko / Neon-give-aways und vieles mehr.

Eine gute Bewirtung und Verpflegung sind obligatorisch. Bratwürstchen, Steaks, Pommes und Fischbrötchen sind im Angebot – und das natürlich zu volkstümlichen Preisen. Eine „Happy Hour“ mit vergünstigten Getränkepreisen runden das Angebot ab.

Der Sonntag, 07. August 2016, beginnt um 09.00 Uhr mit einem Partyfrühschoppen der Extraklasse. Die besten Partyhits und Trinklieder sorgen für ein Feeling wie im Festzelt. Für gute Laune, fetzige Musik und beste Stimmung sorgt der Party DJ Elvis.

Angeboten wird auch ein Gratis-Fahrdienst  zur und von der Kaffeemühle:

Tel.: 0171 – 8713326, Klaus-Dieter Radick. Gefahren wird zu jeder vollen Stunde.

Dass ein Fahrdienst eingerichtet wird, hat einen mystischen Hintergrund. Im Heimatbuch des Dorfes Philippsthal von Karl Münch aus dem Jahr 1925 ist folgende Sage abgedruckt:

Zwischen den Dörfern Philippsthal und Oberzella liegt der Siechenberg, auf welchem der gefürchtete Siechenhund haust. Er hat die Größe eines kräftigen Fleischerhundes. Seine Augen sind feurig und so groß wie ein Teller. Spät abends treibt er sein Unwesen. Einzelne Wanderer, die aus dem nahen Vacha zur Mitternachtszeit nach Philippsthal pilgern, fällt er an. Er hängt sich auf ihren Rücken und legt seine Vorderpfoten um die Schultern. Bei jedem Schritte wird er schwerer, und gar mancher, der ihn getragen, kam schweißtriefend und halbtot hier an.

Damit niemand dem Siechenhund zum Opfer fällt – aus welchem Grund auch immer – und der Heimweg nicht allzu lang und schwer wird, kann  jeder Besucher vom kostenfreien Fahrdienst Gebrauch machen.

Der Verein „Freunde der Heimat“ lebt aber nicht nur von der Arbeit allein. Die Kameradschaft und das Gefühl der Zusammengehörigkeit galt es immer zu erhalten und zu stärken. In regelmäßigen Abständen fanden daher immer wieder vereinsinterne Veranstaltungen statt. Hierzu zählen gemeinsame Grillabende, Kaffeenachmittage, sonntägliche Frühschoppen, das Oktoberfest, die Weihnachtsfeier, Silvesterpartys in der Orangerie, zahlreiche Faschingsveranstaltungen aber auch Ausflüge und mehrtägige Vereinsfahrten. Auch sportliche Veranstaltungen wie Kegeln, Vereinspokalschießen, Hobby - Fußballturniere und die Teilnahme an Wanderungen wurden angeboten.

Der Verein verdankt die positive Vereinsarbeit der Motivation seiner Mitglieder und des Vorstands. Möge dies für nachfolgende Generationen und neue Mitglieder ein Ansporn sein. Eine gute und zielorientierte Arbeit zwischen Vorstand, Vergnügungsausschuss, Hüttenwarten und verständnisvollen Ehefrauen ist unabdingbar.